Geschichte des Efficiency-Clubs Bern

 

Summary

Der amerikanische  Wirtschaftswissenschaftler Herbert N. Casson (1869 - 1951) war einer der Pioniere der "Verkaufswissenschaft", wie man damals das heutige Marketing nannte. Er befasste sich auch mit den Prinzipien des "Scientific Management" von Frederick Winslow Taylor, versuchte jedoch, der Effizienz der Prozesse grössere Bedeutung zu geben unter Berücksichtigung des Menschen als zentralem Faktor. Eine folge seiner begeisternden Vorträge in Europa war die Gründung von Efficiency-Clubs, die den Gedanken des gegenseitigen Erfahrungsaustauschs pflegen wollten.

Die drei ersten Clubs in der Schweiz wurden in Zürich, Basel und Bern gegründet. Der Berner Club schlief während des zweiten Weltkriegs ein, wurde dann 1960 durch Dr. Bruno Senn wieder zum Leben erweckt und entwickelte sich seither zu einem attraktiven Business-Club.

 

 

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Herbert N. Casson (1869 – 1951) war einer der Pioniere der „Verkaufswissenschaft", wie man damals das heutige Marketing nannte. Er befasste sich auch mit den Prinzipien des „Scientific Management" von Frederick Winslaw Taylor, versuchte jedoch, der Effizienz der Prozesse grössere Bedeutung zu geben unter Berücksichtigung des Menschen als zentralem Faktor. Eine Folge seiner begeisternden Vorträge in Europa war die Gründung von Efficiency-Clubs, die den Gedanken des gegenseitigen Erfahrungsaustauschs pflegen wollten

Im Jahre 1911 veröffentlichte Frederick Winslow Taylor sein bahnbrechendes Buch „The Principles of Scientific Management“. Taylor war der Begründer eines wissenschaftlichen Managements. Seine Arbeiten führten dazu, die Produktionsprozesse wissenschaftlich zu verstehen und entsprechend zu rationalisieren und zu standardisieren. Fliessbandarbeit und auf möglichst effizienten Nutzen der Arbeitskraft ausgerichtete Technik begannen, den industriellen Alltag zu bestimmen.

 

Der Amerikaner Herbert N. Casson ist einer der Begründer der „Verkaufswissenschaft“, von Marketing sprach man damals noch nicht. In den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts bereiste er Österreich, Deutschland und auch die Schweiz und hielt zahlreiche Vorträge. Herbert Casson entwickelte eine Philosophie der Wirtschaft, welche die rein arbeitstechnische Revolution Taylors mit einem wissenschaftlichen Verständnis von Produktion, Verkauf und Management erweiterte.

 

 Frederic Winslow Taylor  Herbert N. Casson
Frederick Winslow Taylor  Herbert N. Casson

 

1928 erschien die erste deutschsprachige Ausgabe der Zeitschrift „Efficiency-Magazin“. Darin findet man eine Kernaussage Herbert Cassons: „…in diesem Magazin will ich zeigen, wie Menschen mehr Geld verdienen und dabei noch gleichzeitig sich selbst entwickeln und einen höheren Grad von Glück erreichen können… warten wir nicht auf die Hilfe des Staates: im Gegenteil, der Staat muss nötigenfalls durch die Wirtschaft beaufsichtigt werden…“ (André Pförtner: „Amerikanisierung der Betriebswirtschaft im deutschsprachigen Raum“, Verlag der Deutschen Hochschulschriften, D 63329 Egelsbach bei Frankfurt, 2001).

 

Es war eine richtige Aufbruchsstimmung. Vereinigungen und Clubs wurden gegründet, welche ursprünglich einen wirtschaftsethisch-proamerikanischen Kurs verfolgten. 1936 wurden Efficiency-Clubs in Zürich, Basel und Bern gegründet. Von Anfang an war der Erfahrungsaustausch ein wichtiger Pfeiler der neuen Bewegung.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg war der Berner Club schon nicht mehr aktiv, die Tätigkeiten waren offenbar ca. 1953 eingestellt worden. Dr. Bruno Senn hatte als Personalchef und Direktionssekretär bei der Danzas AG, Internationale Transporte Basel, gearbeitet. Sein Bruder führte in Bern das bekannte Unternehmen Auto-Senn AG und bat ihn 1960, in die Firma einzutreten. Ab 1. Januar 1961 war Dr. Bruno Senn Direktor der Auto-Senn AG in Bern. Er erinnerte sich an seine Zeit in Basel, als er Mitglied des dortigen Efficiency-Clubs gewesen war, der von Dr. Hans Ruppe präsidiert wurde. Er hatte sich damals der Erfa-Gruppe Mittelbetriebe angeschlossen und diese sie 1960 geleitet. Sein Nachfolger war Walter Zulauf, der nachher während vielen Jahren Präsident des EC Basel war. Als Neuling in Bern versuchte Bruno Senn, ein Netzwerk aufzubauen. Dabei war naheliegend, Kontakt mit dem Efficiency-Club Bern aufzunehmen. Präsident war offiziell damals Herr Ernst, Direktor der BEA.

 

Dr. Bruno Senn erweckte 1963 den Efficiency-Gedanken zu neuem Leben. Er war von 1963 bis 1975 Präsident des Berner Clubs. Leider sind von den frühen Jahren keine Dokumente erhalten, sodass wir über die Entwicklung vor dem Krieg nichts Genaues wissen. Tatsache jedoch ist, dass der Club in Bern während des Krieges einschlief und nachher nie mehr so richtig funktioniert haben muss.

 

Mit frischem Elan stellte Dr. Bruno Senn zusammen mit seiner Frau ein Vortrags- und Seminarprogramm zusammen. Das neu kreierte Logo wird seitdem verwendet.

Die Vorträge fanden im grünen Saal des Kursaals statt, die Seminare im Bürgerhaus. Selbsttragend war der Betrieb am Anfang nicht, aber die Erträge aus den Seminaren halfen, das Defizit in Grenzen zu halten.

Im Herbst 1963 lud man zur Gründungsversammlung in die Schützenstube des Bürgerhauses ein. Es kamen etwa dreissig Interessenten, denen Bruno Senn seine Ziele vortrug. Er bat die Anwesenden, einen Vorstand zu bilden, was auch sofort gelang. Seine zukünftigen Vorstandsmitglieder waren alle älter als er, u.a. waren das Dr. Edwin Zingg, Inhaber eines Beratungsunternehmens, Dr. Hänni, Chef der damaligen VLG (heute fenaco) und Alfred Schneiter als Kassier, der spätere Generaldirektor der Kantonalbank von Bern (heute BEKB). Sofort ergab sich im Vorstand eine fruchtbare Zusammenarbeit. Bruno Senn leitete den Club und war verantwortlich für das Programm, es wurden Statuten geschrieben und Mitglieder gesucht. Offensichtlich entsprach das Programm des Efficiency-Clubs Bern einem Bedürfnis, die Mitgliederzahl wuchs schnell. Schon bald wurde auch eine Erfa-Gruppe gegründet, die bis nach der Jahrhundertwende bestand und immer den harten Kern des Clubs bildete. Lange Jahre wurden die Vorstandsmitglieder aus dessen Reihen rekrutiert. Ein Highlight war 1975 der frühmorgendliche Besuch der neuen Migros-Verteilzentrale in Schönbühl, es kamen über 200 Teilnehmende.

 

Frau Jolanda Senn erledigte einen grossen Teil der administrativen Arbeiten. Es war damals üblich, dass bei solchen Ämtern die Freiwilligkeit wichtig war und dadurch die Kosten tief gehalten werden konnten.

 

Dr. Hans Hänni Alfred Schneiter Dr. Bruno Senn
Dr. Hans Hänni Alfred Schneiter Dr. Bruno Senn 
(Aufnahme ca. 1965)  (Aufnahme ca. 1965) (Aufnahme 2013)

 

Hans Fischer trat 1974 in den Efficiency-Club ein, er übernahm an der GV 1975 von Bruno Senn die Leitung des Clubs und führte diesen mit grossem Erfolg bis 1988. 1975 zählte der Club 300 Mitglieder. Hans Fischer war damals Direktor der Kiosk AG (später Valora).

 

Auch unter seiner Präsidentschaft leistete die Ehefrau grosse Arbeit: Frau Margrit Fischer erledigte die administrativen Arbeiten. Mit der Zeit wuchs der Club jedoch weiter und die Komplexität nahm zu. Schliesslich wurde entschieden, die Mitgliedadministration, Bestätigungen für Referenten und Lokalitäten sowie die Anmeldungskontrollen extern zu vergeben. Viele Jahre erledigte dies Ueli Muggli. Hans Fischer baute das Clubprogramm aus. Höhepunkte waren u.a. die philosophischen Leseabende mit Herrn Prof. Dr. Peter Kern und die rhetorisch und inhaltlich brillanten jährlichen Vorträge von Dr. Peter Rogge (damals UBS) zur konjunkturellen Entwicklung.

 

 Hans Fischer Dr. Peter Kern Dr. Peter Rogge
Hans Fischer Dr. Peter Kern  Dr. Peter Rogge

 

Der Club wuchs und erreichte in Bern eine wichtige Bedeutung als Wirtschafts-Club.

 

An der GV 1989 erfolgte die Stabsübergabe an Peter Gysi, der in der Folge den Vorstand neu organisierte und jedem Ressort einen Verantwortlichen zuwies. Es wurden auch die ersten Frauen in den Vorstand gewählt. Das Programm für das Folgejahr war jeweils im Dezember erstellt und die Mitglieder erhielten ein kleines Programmheft mit allen Daten. Die Administration, die Ueli Muggli 1993 - 2008 allein betreut hatte, musste nach dessen Pensionierung einer professionellen Organisation übergeben werden: die Treuhand- und Revisions-AG des langjährigen Sekretärs Heinz Staudenmann übernahm Administration und Mitgliederkontrolle und betreute weiterhin die Buchhaltung.

 

Peter Gysi 
Peter Gysi

 

In 2009 wurde entschieden, die Homepage neu zu gestalten und Anmeldungen zu Anlässen online zu ermöglichen. Zudem sollte die neue Software auch die gesamte Mitgliederadministration umfassen. Nach einer Evaluationsphase entschied man sich für eine Software, die schon durch Alumni-Organisationen schweizerischer Universitäten eingesetzt wurde (Alumni-Tool). Die Einführung erfolgte wie üblich bei solchen Projekten mit etlichen Bauchschmerzen, der Kostenrahmen jedoch wurde eingehalten.

 

Andere Wirtschafts- bzw. Personal-Organisationen der Region Bern zeigten Interesse am breiten Programmangebot des Clubs. So kamen im Laufe der Jahre Partnerorganisationen dazu: Swiss Marketing Bern Futura des SMC, HR Bern (Fachverband für Human Resources), Verein HFW Bern, die Alumni-Organisation des Fachbereichs Wirtschaft und Verwaltung der Berner Fachhochschule, die Vereinigung der Berner Wirtschaftswissenschaftler, die Junior Chamber International Bern sowie die Alumni des Freiburger International Institute of Management in Technology.

 

An der GV 2014 wurde Alexander Pulver zum neuen Präsidenten gewählt. Er ist Generalsekretär und Leiter des Rechtsdienstes der Gebäudeversicherung Bern (GVB).

 

 

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